Zwangsstörungen treten im Kindes- und Jugendalter sehr häufig auf. Man geht davon aus, dass bei 100 Kindern 2 bis 4 Kinder davon betroffen sind. Gekennzeichnet ist diese psychische Erkrankung durch wiederkehrende Zwangsgedanken und/ oder Zwangshandlungen.

Bei Zwangsgedanken handelt es sich um bestimmt Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die sich dem Betroffenen immer wieder aufdrängen und ihn beschäftigen. Inhalte von Zwangsgedanken können sehr vielfältig sein; dabei kann es bspw. um die Befürchtung gehen, etwas nicht richtig gemacht zu haben, sich vergiften oder verunreinigen zu können, aber auch obszöne oder gewalttätige Inhalte bestehen häufig. Zwangshandlung bezeichnet hingegen die wiederkehrende, zwanghafte und stereotype Ausführung relativ komplexer Handlungen. Thematisch beziehen sich Zwangshandlungen häufig auf Reinlichkeit, übertriebene Ordnung und Sauberkeit oder wiederholte Kontrollen. Dabei zielen die Handlungen meist auf die Abwendung einer möglichen Gefahrensituation ab (z.B. zu verhindern, dass jemand krank wird oder der Familie etwas passiert).

Die Zwangssymptome werden oftmals als quälend und unsinnig erlebt, zudem schämen sich Betroffene sehr für ihre Zwänge diese häufig "heimlich" auszuführen. Im Kindesalter sind Jungen etwas häufiger betroffen als Mädchen, im Jugend- und Erwachsenenalter hingegen gleicht sich dies wieder aus. Bei der Diagnose der Störung helfen Fragebogenverfahren oder Interviews, die mit den Kindern/ Jugendlichen und den Eltern durchgeführt werden. Hierbei ist es gerade bei den jüngeren Kindern wichtig zu unterscheiden, ob es sich bei Verhaltensweisen nur um feste Rituale handelt, die in diesem Alter wichtig sind um Sicherheit zu bieten, oder um "echte" Zwänge.

Bei der Behandlung von Zwangsstörungen haben sich Einzelpsychotherapien als erfolgreich gezeigt, bei denen gelernt wird, dass auch ohne die Ausführung von Zwängen, Befürchtungen nicht eintreten. Bei schweren Zwängen kann auch durch bestimmte Medikamente eine Therapie begleitet werden.